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Auswandern Umziehen Fragen | Manic Motherhood - Blog für Erziehung, DIY-Anleitungen, Kinder, Basteln, gesunde Ernährung

Auswandern: Willst du es wirklich?

7 Fragen, die du dir vor dem Auswandern stellen solltest

Als ich ein kleines Mädchen war, sind meine Eltern regelmäßig mit mir in die USA geflogen. Unvorstellbar, denn meine Eltern sind damals nach dem Mauerfall aus der DDR in den Westen gegangen und haben quasi bei null wieder anfangen müssen.

Jeder, der die DDR miterlebt hat bzw. genau weiß, wie es sich dort gelebt hat, kann gut nachvollziehen, wie es sich als Ossi in den Vereinigten Staaten angefühlt hat. Als wäre man auf einer lauten Droge, gefüllt mit Zuckerwatte, die Regenbogen halluzinieren lässt, während man rückwärts auf einem Einhorn durch Freizeitparks galoppiert. Im Ernst! Die ständige Überforderung mit den Produktvarianten und Supergrößen, der Rausch der Farben und Möglichkeiten – ich war abhängig!

Als Kind hat man natürlich eine ganz andere Sicht auf die Dinge, was wunderschön ist. Aber auch im Erwachsenenalter können manche Länder diese Wirkung auf uns haben und in uns das Gefühl erwecken, dass alles perfekt sei. Wenn man verliebt ist, neigt man dazu, alles zu idealisieren, auch wenn wir das ungern zugeben wollen.

Wenn es jedoch darum geht, deinen Job zu kündigen und die Zelte einzureißen – auszuwandern –, um in deinem Wunschland neu anzufangen, solltest du jedoch noch einmal ganz genau schauen, was dich erwartet. Als ich mit 29 Jahren in die USA ausgewandert bin, hatte ich nicht wirklich eine Wahl – Ich bin zu meinem Mann und seinen Söhnen nach New Hampshire gezogen.

Aktuell heißt es jedoch für uns nach zwei Jahren New England: Umziehen. Wir ziehen jedoch nicht in den nächsten Ort oder in den nächsten anliegenden Staat. Nein, für uns geht es in eine vollkommen andere Welt mit einer ganz anderen Kultur. Eine Welt mit Cowboy Boots, Squaredance, BBQ und Kakteen. Wir haben uns durch all die Recherchen, wo es sich für uns als Großfamilie am besten lebt, aus der Ferne in Texas verliebt.

Mit welchen Fragen wir uns detailliert befasst haben, bevor wir es für uns ernster wurde, habe ich dir hier einmal zusammengetragen. Vielleicht hilft dir diese Liste, realistisch auf dein Traumland zu schauen, um eine fundierte Entscheidung fällen zu können, was das Auswandern betrifft.

1. Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?
Wenn du nach einem neuen Job in einem anderen Land suchst, sollten du die Lebenshaltungskosten im Auge behalten. Auch wenn du in deinem Traumland ein höheres Gehalt bekommst, kann es sein, dass du in einer finanziell schlechteren Lage bist als zuvor, weil das Leben in der Region viel teurer ist.
Je nachdem wie sich dein Lebensstil gestaltet, kann es sein, dass du auch mehr Geld für deinen gewohnten Standard ausgeben musst. Die Kosten für alles, vom Wohnen bis zum Einkaufen, kann deine Ausgaben erheblich erhöhen.

Mein Mann hatte zwei Jobangebote, einen in Oregon und einen in Texas. In Oregon hätte er zwar ein viel höheres Einkommen gehabt, jedoch wäre mehr Geld für Miete, Strom, Lebensmittel und Steuern drauf gegangen. In Texas gibt es keine Einkommenssteuer und Mieten dort sind sehr günstig. Oregon hingegen hat den dritthöchsten Einkommenssatz in den USA.

2. Wie wirst du das Klima ertragen?
Es gibt natürlich super Hilfsmittel wie Heiz- und Kühlsysteme, die einem das Leben erleichtern, wenn die Temperaturen utopisch sein sollten. Trotzdem kann es sein, dass der Umzug an einen wärmeren Ort schwierig für dich sein kann. Du könntest feststellen, dass du den Schnee und die wechselnden Jahreszeiten vermisst. Wenn du von einem sonnigen Ort an einen Ort mit langen, düsteren Wintern oder regelmäßigem Regen ziehst, kann dies deine psychische Gesundheit beeinträchtigen.

Für uns war der Gedanke sehr schwierig, mit ständigem Regen umgehen zu müssen, als es um die Option Oregon ging. Ich hatte bereits für ein Jahr in diesem Staat gelebt und kann mich gut an sehr lange Regenphasen erinnern, die irgendwie nicht enden wollten. Das war auf Dauer sehr deprimierend. Im Gegenzug war man dann aber von unglaublich schöner Natur umgeben.

Texas hingegen beunruhigt mit unglaublich heißen Sommern. Dann sind nämlich mit Temperaturen von über 30, häufig auch über 40 Grad Celsius zu rechnen. Ausgeglichen wird dies mit sehr milden Wintern, was mich nach zwei Jahren New England mit elendig langen und schmerzhaften Wintern überzeugt.

Da stellt sich die Frage, was deine Motivation und Grundbedürfnisse sind. Verbring am besten etwas Zeit in deiner Traumstadt, während der schlechtesten Wettersaison, um zu sehen, wie du damit zurechtkommst, bevor du einen Umzug in Erwägung ziehst.

3. Wie gefährlich ist deine Zielregion?
Die Kriminalität in der zukünftigen Heimat für dich und deine Familie ist selbstverständlich ein wichtiger Punkt. Dazu findet man viele Informationen, wenn man entsprechend googelt. Wenn ich jedoch von Sicherheit spreche, rede ich auch von Naturkatastrophen, die in der Umgebung lauern.

Tornados gehören zu Texas wie Überschwemmungen und Waldbrände. Oregon hat im Vergleich andere drohende Naturkatastrophen wie anstehende Erdbeben, Tsunami oder den Ausbruch des naheliegenden Vulkans Mount St. Helens.

Mache dich vorher schlau, was dich zum Thema Sicherheit erwarten könnte und entscheide dann, inwiefern das deine Entscheidung beeinflussen soll.

4. Wie viel kostet der Umzug?
Umziehen ist teuer! Bis du jedoch die tatsächlichen Zahlen siehst, ist es schwierig, sich eine Vorstellung davon zu machen, wie sehr er finanziell belasten wird. Als grobe Faustregel gilt: Ziehst du in ein deutsches Nachbarland mit komplettem Haushalt um, kalkuliere mit 2.000 bis 4.000 Euro an Kosten. Bei Übersee-Umzügen etwa in die USA steigen die Speditionskosten auf rund 5.000 bis 10.000 Euro an. Woran du denken solltest:

  • Temporäre Bleibe (falls notwendig)
  • Dein Auto (falls geflogen werden muss)
  • Ein Mietwagen (falls Auto transportiert werden muss)
  • Der Transport des Haushaltes
  • Dein eigener Transport (falls notwendig)

Hier in den Staaten ist es üblich, einen Mietvertrag für ein komplettes Jahr zu unterzeichnen. Somit kann es dazu kommen, dass wir doppelt Miete zahlen müssen, wenn wir nicht vernünftig planen. Halte alle laufenden Kosten im Auge, um am Ende nicht draufzahlen zu müssen.

5. Wie hoch ist die Einkommenssteuer?
Wie schon erwähnt, kann es sein, dass die Einkommenssteuer in deinem Traumland enorm hoch ist und dein höheres Gehalt dadurch zunichtegemacht wird. Erkundige dich gut, welche Steuern auf dich zukommen können, bevor du ernsthaft über einen Umzug nachdenkst.

6. Wie sind die Schulen vor Ort?
Wir haben viel Zeit investiert und sämtliche Staaten und deren Schulsysteme miteinander verglichen, um die bestmöglichen Nachbarschaften für uns zu finden. Rankings, Erfahrungsberichte, Fächerspektrum, AG-Angebote usw. können dabei helfen, sich ein Bild vom Bildungsangebot machen zu können.

Da wir 5 Kinder haben, wovon drei zur High School (Oberschule) gehen, war es für uns sehr wichtig, gute Schulen in der Umgebung zu haben und darauf unsere Entscheidung, in welche Nachbarschaft wir ziehen, zu basieren.

Natürlich möchten wir nur das Beste für unsere angehenden College Boys, nur kann das Lern-Niveau ein ganz anderes sein, als das, was sie bisher gewöhnt sind. Somit waren wir sehr vorsichtig, was die sehr engagierten Schulen anging.

7. Wirst du dich einsam fühlen?
Abgesehen von finanziellen und logistischen Fragen kann das Umziehen emotional anstrengend und seelisch belastend sein. Wenn du noch nie an einem anderen Ort, ohne Familie und Freunde, gelebt hast, kann ein Umzug in ein anderes Land überraschend einsam und isolierend sein.

Traumjob, Traumstrand, Traumstadt, Traumhaus, … all das ist vielleicht nichts wert, wenn du es nicht mit deinen Freunden oder deiner Familie in der Heimat teilen kannst. Das Thema „Heimweh“ mag etwas infantil klingen, kann aber enorm unterschätzt werden.

Bist du der Mensch, der vom Unbekannten und dem Gefühl des Abenteuers lebt, das entsteht, wenn du einen neuen Ort betrittst und neue Menschen kennenlernst? Nur du kannst wissen, was für deine Situation funktioniert. Indem du dir diese 7 Fragen stellst und dich gut auf den großen Schritt „Auswandern“ vorbereitest, kannst du sicherstellen, dass du die beste Entscheidung für dich und deine Familie triffst.

Herzlichst,

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